was lest ihr gerade? - der literaturthread!

Alle sieben Wellen von Daniel Glattauer

Diesen Roman habe ich, wie auch schon den ersten Teil - "Gut gegen Nordwind" - nur ganz schwer aus der Hand legen können, weil er mich so gefesselt hat.
Spannend, witzig, tiefgründig und gespickt mit irren Wortspielereien erzählt der Autor in Form von E-mails die für mich schönste Liebesgeschichte seit Romeo und Julia.

Emmi und Leo breiten sich gegenseitig ihre ganze Gefühlslandschaft aus, ohne sich persönlich zu kennen. Ihr Verlangen den jeweils anderen persönlich kennen zu lernen wird immer größer....
Besonders faszinierend für mich ist , wie brilliant sich der Autor sowohl in die Rolle und in die Gefühlswelten einer Frau, wie auch in die des Mannes hineinversetzen kann.

Das Buch ist schnell gelesen, es ist leicht verdaulich und absolut empfehlenswert.
 
Wilhelm von Sternburg - "Als wäre alles das letzte Mal" - Erich Maria Remarque/Eine Biographie

Ich lese gerne Biographien... und ich habe viel von Remarque gelesen... nicht nur "Im Westen nichts Neues"... sondern auch seine "Exilromane"... ("Zeit zu leben, Zeit zu sterben", "Der Funke Leben", "3 Kameraden", "Der schwarze Obelisk").. jetzt bin ich über die elf Jahre alte Biographie gestolpert... und lese sie grade mit grosser Spannung... :daumen:
 
Alle sieben Wellen von Daniel Glattauer

Emmi und Leo breiten sich gegenseitig ihre ganze Gefühlslandschaft aus, ohne sich persönlich zu kennen. Ihr Verlangen den jeweils anderen persönlich kennen zu lernen wird immer größer....

Ist das Buch eine Art Fortsetzung von "Gut gegen Nordwind" (welches auch mir sehr gut gefiel!)?
 
Richard Yates - Zeiten des Aufruhrs

Ich gestehe gleich - ich hab den Film nicht gesehen... und werde mich hüten ihn mir nach der Lektüre des Buches anzusehen... die Geschichte einer Ehe im Amerika der 50er-Jahre ...auf eine Art beschrieben, sodass ich wirklich lange Zeit am Überlegen war, ob der Roman nicht viel später entstanden ist... in einigen Rezensionen wird das Buch auch als zeitlos charakterisiert, dem kann ich mich nur anschliessen... absolut lesenswert :daumen:


Wobei der Film echt gut ist....gruselig gut. Ich war tief betroffen....wie auch vom Buch.

Sind wir Menschen wirklich so mutlos? :hmm:
 
Wobei der Film echt gut ist....gruselig gut. Ich war tief betroffen....wie auch vom Buch.

Sind wir Menschen wirklich so mutlos? :hmm:

...ich glaube, ich nicht... habe mir deswegen zwar mein Leben nicht immer einfach gemacht... aber im Rückblick ists bisher ganz ok... ;)
 
Ich mache mich nach seeeehr langer Zeit wieder einmal über "The Happy Return", das erste Buch aus dem mehrteiligen Zyklus von C.S. Forrester über den englischen Seehelden Horatio Hornblower her - in der engl. Originalfassung. Habe sie zwar alle schon, Teils auch in der deutschen Übersetzung, gelesen, die Mischung aus Seemannsgarn, Abenteuer, Spannung und einem Schuss Romantik schmeckt mir aber einfach ab und an. Für mich sind die Hornblower-Romane Klassiker.

Genießer :winke:
 
"Im Auge des Jägers - Der Wehrmachtscharfsschütze Sepp Allenberger" -Eine biographische Studie

Schockierend, hier wird schonungslos der Krieg in seiner schrecklichsten Form beschrieben. Bester Satz:

"Krieg ist die vollständige Abwesenheit von Menschichkeit und Vernunft!"
 
Mario Vargas Llosa - Maytas Geschichte

Ein früheres Buch des peruanischen Schriftstellers und Präsidentschaftskandidaten von 1990 - in meinen Augen neben Marquez der größte lateinamerikanische Erzähler der letzten Jahrzehnte.

"Maytas Geschichte" blickt zurück in die späten 50er Jahre. Ein Jugendfreund versucht, das Leben und Wirken von Alejandro Mayta zu rekonstruieren - einem gescheiterten trotzkistischen Revolutionär.

Vargas bedient sich einer Technik, die er auch später wieder anwendet - aus Gesprächen mit Weggenossen ergeben sich Rückblenden, die in filmartiger Manier die Hauptperson wieder lebendig werden lassen.

Kaum ein anderer AUtor hat so vielfältige Inhalte und - denen angepasst - Stile in seinen Romanen. Von den erotischen Romanen wie "Das böse Mädchen" oder "Das Lob der Stiefmutter" über skurril-komödiantische Erzählungen wie "Tante Julia" oder "Der Hauptmann und sein Frauenbataillon" bis zu tief peruanischen Einblicken wie "Der Geschichtenerzähler" oder "Tod in den Anden" und Sozialstudien wie "Die Stadt und die Hunde". Am meisten beeindruckt haben mich seine politischen Romane, allen voran das epische "Der Krieg am Ende der Welt, das erschütternde "Gespräch in der "Kathedrale" und der Roman über die Trujillo-Diktatur in der DomRep, "Das Fest des Ziegenbocks".

"Maytas Geschichte" ist auch eine politische Studie, allerdings wesentlich "sperriger" und z.T. etwas langweilig - wenn historische Diskussionen über die unterschiedlichen Splittergruppen der Revolutionäre seitenweise breitgetreten werden.

Dennoch ein interessantes Buch, für alle die Marquez, Vargas, Fuentes, Cortazar, Charpentier, Puig, Scorza, Ribeiro und Co mögen und gerne mehr über Lateinamerika erfahren.
 
Ich hätte eine Frage

Werden unter den Usern die Bücher auch ausgeborgt/getauscht?
Ich würde gerne so einige Bücher lesen, die hier vorgestellt werden, aber meine Wohnung ist zu klein, dass ich sie mir alle kaufen kann.

Sollte dieser Vorschlag schon mal gemacht worden sein, dann entschuldige ich mich für mein Unwissen. :)
 
Sodala, das hob ich in letzter Zeit so gelesen:

Wolf Haas "Das Wetter vor 15 Jahren"

Vittorio Kowalski tritt bei "Wetten dass...." auf und brilliert in der Fähigkeit, das tägliche Wetter der letzten 15 Jahre in einem österreichischen Bergdorf schildern zu können....
Und zwar in einer Detailfülle, die weit über die Ansprüche von sogenannten Wetternormalverbrauchern hinausgeht....:lol:

Was es mit dieser Wette auf sich hat, ihre Vorgeschichte, ihre Motivation, ihre Folgen - das wird stückweise erzählt und zwar mittels einer irrwitzigen Erzähltechnik:
Wolf Haas wird von einer sogenannten Literaturbeilage
zu dem nie geschriebenen Roman interviewt, dessen Inhalt Stück für Stück dem Leser offenbart wird.
Das also hat dieser Roman mit dem Kriminalroman gemein, nämlich, dass die Wahrheit Stück für Stück ans Tageslicht kommt.
Ist aber kein Kriminalroman, auch wenn es in diesem Buch Tote gibt....

Der Humor und der Witz dieses Werks resultiert meiner Ansicht aus:
a) Wörtlichen Zitaten aus dem nie geschriebenen Roman, der wohl nicht mal als Schüleraufsatz durchgehen würde. :lol:
b) Haas' Seitenhiebe auf von mir vermutete Arten der Rezension zu seinen Krimis. Einige Rezensenten befanden wohl, dass, wenn eine Rettungsfahrer-Braut die Infusionsschläuche der Kollegen dieses Rettungsfahrer fast gleichzeitig also alternierend bedient, dies doch etwas too much, etwas over the top sei....:mrgreen:
c) Haas' üblichem Schmäh und Wortwitz.

Konstantin Wecker "Die Kunst des Scheiterns"

Wecker erzählt hier seine Bio und zwar aus der Sicht aller fehlgeschlagenen Versuche Ziele zu erreichen.
Und da kommt einiges zamm:
abgebrochene Studien en mass, Ausreissversuche von daheim, Diebstahl von mehreren Tausend Mark, Pleitier als Gastronom und Betreiber eines Tonstudios, ganz zu schweigen von seinen Süchten wie der Kokainsucht, gescheiterte Beziehungen, Aufenthalte in Gefängnissen...

Für jeden Normalsterblichen hätte das gereicht, um sein Leben endgültig als ruiniert anzusehen - doch dass KW auch einiges vorzuweisen hat, das belegt am Ende eine nach Jahren chronologisch gegliederte Liste aller seiner Aktivitäten und Zeugnisse sozialen Engagements. Die ist in der Tat beeindruckend.
Von wegen Scheitern.

KW präsentiert seine Ansichten, seine Erfahrungen; er zitiert Philosophen, aus Literatur, und, und, und,...
Habe manchmal den Eindruck, dass manches von dem, was er zitiert, nicht wirklich in den Erzählfluss passt, einfach so hineingeworfen wurde....
Und ich habe mich die ganze Zeit über gefragt, ob seine Bekenntnisse wirklich ehrlich gemeint waren....

Sarah Kuttner "Mängelexemplar"

Sarah Kuttner, 30-jährige Moderatorin bei diversen Pop-Sendern und SZ-Kolummnistin wagt ihren Debutroman:
Karo, 27-jährig, verliert ihren Job, trennt sich von ihrem Freund und fällt dadurch in ein schwarzes, tiefes Loch.
Gute Freunde, ihre Mutter, und vor allem Therapeuten verschiedener Coleurs versuchen ihr zu helfen wieder auf die Beine zu kommen......

Mit großem Einfühlungsvermögen beschreibt Kuttner die Seelenzustände einer jungen Frau in ihrer Krise, man vermag gar nicht zu glauben, dass sie das Buch in einigen Wochen "runtergeschrieben" hat.

Kuttner polarisiert: Entweder sie wird als Schriftstellerin verdammt oder man ist von ihr begeistert. Ich zähle mich eher zu letzterer Gruppe.

sordain
 
Gelesen Die Kuppel von Peadar o Guilin

Etwas abstruse Story über ein halbzivilisiertes Stämmchen, das auf einer Welt, zur offensichtlichen Belustigung eines illusteren hochtechnisierten Völkchens, mit anderen Spezies zum Kampf auf Überleben zusammengebracht wird.

Irgendwie wieder so eine unvollendete Geschichte, die relativ unvermittelt aufhört :confused:


Begonnen Die Insel von Terry Pratchett
:hurra: :mrgreen:

@ Nephilim013: Und wenn er nichts mehr schreibt, dann schreiben halt wir weiter :daumen:
 
Stephen Fry - Geschichte machen

Über das Buch bin ich hier drinnen schon mal gestolpert

David Nicolls - Ewig Zweiter

Ich mag britischen Humor, schau ma mal obs hält was es verspricht

Arto Paasilinna - Adams Pech die Welt zu retten

Diese Buch hatte ich schon mal in einer Buchhandlung in der Hand, jetzt bei Amazon wieder drüber gestolpert und zugeschlagen
 
Luis-Alfredo Garcia-Roza: Das Mädchen von Ipanema

Garcia-Roza ist Psychoanalytiker, der in seinen alten Tagen begonnen hat, Krimis zu schreiben. Seine Bücher spielen in Rio, sein Hauptakteur ist Kommissar Espinosa - ein unkonventioneller, nachdenklicher Polizist. In diesem - seinem 2.Buch - geht es um den Mord an einer Prostituierten.

Spannend, nett erzählt, dazu viele Einblicke in das Leben in Rio, die Prostituierten, die Gauner, die Straßenjungen...Garcia-Roza steht ganz in der Tradition des europäischen Polizeikrimis. Espinosa steht in einer Reihe mit Nadels Ikmen, Mankells Wallander, Hubys Bienzle oder Leons Brunetti. Wer anspruchsvollere Krimis mag, dem wird dieses Buch gut gefallen - leicht zu lesen und doch über dem durchschnittlichen Krimi-Niveau.
 
Roberto Saviano - Gomorrha: Reise ins Reich der Camorra

Auf das Buch wurde ich durch eine Dokumentation über Roberto Saviano aufmerksam. Ein wenig später tauchte es ohnehin auf den Bestsellerlisten ganz oben auf, was mich allerdings wieder ein wenig skeptisch machte.

Roberto Saviano ist ein italienischer Schriftsteller der für die Recherchen zu diesem Buch jahrelang verdeckt als Hafenarbeiter in Neapel gearbeitet hatte.

Aufgrund dieses Engagements erhielt er mehrere Morddrohungen und sorgte in Italien für beträchtliches Aufsehen. Saviano erhielt vom Innenministerium Personenschutz und lebt nun versteckt an wechselnden Orten, die er etwa alle zwei Tage verlassen muss. Er hält nur noch den Kontakt zu seiner Familie aufrecht.

Das Buch ist eine Mischung aus Roman und journalistischer Reportage.

Es geht um Schwarzmarktproduktion im Textilbereich, um Drogenhandel, Waffenschmuggel, Machtkämpfe zwischen Clans, Baupolitik sowie Müllentsorgung. Hauptschauplatz ist Neapel und Umgebung, doch existiert ein Spinnennetz, welches sich über ganz Italien, Europa und den Rest der Welt ausgebreitet hat.

Es geht darum den grösstmöglichen Profit zu erzielen, wobei alle Mittel recht sind, sogar aus Abfall werden Millionengeschäfte gemacht.

Allerdings ist meiner Meinung nach entweder der Stil des Buches vollkommen mißlungen, oder die Übersetzung ist grottenschlecht.

Einige Kapitel lesen sich ganz gut und flüssig, andere wieder sind durch viele Zeilen lange Aufzählungen von Spitznamen diverser Mafiabosse oder herunterleierung italienischer Städte extrem langatmig. Irgendwie hab ich mich durch das Buch in der Hoffnung auf ein versöhnendes Ende das für mich leider ausgeblieben ist, durchgequält.

Allerdings sind Geschmäcker ja Gott sei Dank verschieden!
 
Mai/Juni Ausgabe der Zeitschrift Emma, herausgegeben von Alice Schwarzer.

Was mich an dieser Ausgabe interessiert und darum habe ich sie mir auch gekauft, ist eine versuchte Aufarbeitung des Massakers von Winnenden, bei dem der Schüler Tim K. acht Schülerinnen, einen Schüler sowie drei Lehrerinnen erschossen hat.
Es wird in diversen Beiträgen der Frage nachgegangen, warum Tim K. fast nur Frauen erschoss und warum das Motiv eines möglichen Frauenhasses von der Öffentlichkeit weitgehend negiert oder ignoriert wird.

Weiters wird versucht, eine Antwort darauf zu finden, ob mögliche PC-Gewaltspiele ("Counterstrike") und Darstellungen von sogenannter sexueller Gewalt an Frauen eine zusätzliche Antriebskraft für Tim K.'s Handeln gewesen sein könnten.
Durchaus lesenswerte Artikel, weil sie das Problem dieser Morde aus einem etwas anderem Blickwinkel darstellen.

Eines jedoch stört mich an diesen Artikeln:
Nämlich die Art der Diskussion von Bondage. Bondage, das per se eine sexuelle Praktik darstellt, bei der durch das Binden und Fesseln ein Partner dem anderen sexuelle Lust mittels Schmerz vermittelt und das ein hohes Verantwortungsbewusstsein voraussetzt, wird imho in diesen Beiträgen einseitig verteufelt, etwa wenn es heißt:
Die Eingabe von Bondage bei Google zeigt 41,8000 000 Treffer an. Jedes Kind hat unter "Bondage" sofort Zugang zu sexualisierten Gewaltszenen und Folter von Frauen.
Emma, Mai/Juni, S.35

Eine generelle Gleichsetzung von Bondage mit
sexualisierten Gewaltszenen und Folter von Frauen
lehne ich ab. (Immer vorausgesetzt, dass bei Bondage und dessen Abbildungen sich alles im legalen Rahmen bewegt). Und es spricht vieles in den Beiträgen dafür, dass die Emma-Redakteurinnen eine generelle Gleichsetzung von Bondage mit Folter von Frauen vornehmen.
In weiterer Folge lehne ich daher ebenso ein generelles Verbot von Bondage-Bildern ab - ähnlich den Kinderporno-Darstellungen - wie in den Beiträgen (zumindest unterschwellig) gefordert.
Das der freie Zugang zu solchen Bildern ein Problem darstellt, ist unbestritten. Dies hat aber mit Bondage an sich und seinen Darstellungsformen prinzipiell nichts zu tun.

Da geht's zur Quelle: www.emma.de

sordain
 
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