Viele Israelis und auch viele Juden hier bei uns fragen sich, warum Israel in weiten Teilen der österreicherischen (der europäischen) Bevölkerung keine große Unterstützung mehr erfährt. Ich will versuchen, das an meinem persönlichen Beispiel zu erklären. Zuerst möchte ich anmerken, dass ich bisher drei mal in Israel war. Und auch das hat Meinung nachhaltig verändert.
Wer sich für Geschichte interessiert, der weiß, dass am Staatsgebiet des heutigen Israel für beinahe zwei Jahrtausende kein jüdischer Staat existierte. Der österreichische Jude Theodor Herzl war ganz maßgeblich daran beteiligt, dass die Idee eines Judenstaates im nahen Osten realisiert wurde.
Das sogenannte Heilige Land war abwechselnd in der Hand der Sarazenen, der Kreuzritter und der Araber. Und dann war es bis zum Ende des Ersten Weltkrieges Teil des osmanischen Reiches. Für ihre Hilfe im Krieg gegen die Türken hatten die Siegermächte den Arabern einen Staat versprochen, der auch Palästina (und damit auch das Gebiet, in dem heute das Staatsgebiet von Israel liegt) umfassen sollte.
Wie wir heute wissen, haben die Großmächte ihre Versprechungen nicht eingehalten. Es entstanden mehrere Staaten, die meist unter dem Einfluss einer der Großmächte standen. Der Libanon stand beispielsweise unter französischem Einfluss und Palästina war britisches Schutzgebiet. 1922 lebten in Palästina etwa 80.000 Juden. Ein großer Teil von ihnen war auf Grund der Herzl´schen Ideen bereits vor dem Ersten Weltkrieg eingewandert.
Die Balfour-Deklaration versprach den Juden, in Palästina eine „nationale Heimstätte“ des jüdischen Volkes zu errichten, wobei jedoch alle Rechte bestehender nicht-jüdischer Gemeinschaften gewahrt bleiben sollten. Das führte zu einer massiven jüdischen Einwanderung. In der Balfour – Deklaration wurde aber nie von einem jüdischen Staat gesprochen. Da es bereits in dieser Zeit zu Streitigkeiten und bewaffneten Konflikten mit der arabischen Mehrheitsbevölkerung kam, schränkten die Briten die jüdische Zuwanderung ein.
Dann kam der Zweite Weltkrieg und mit ihm der große Holocaust. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges ergoss sich ein Welle (illegaler) jüdischer Einwanderung über Palästina. Die Juden begannen mit einem Terrorkrieg (Beispiel: Sprengung des Hotels König David mit vielen getöteten britischen Offizieren) gegen die britische Mandatsmacht, die einen jüdischen Staat verhindern wollte. Letztlich warfen die Briten das Handtuch und zogen sich zurück. Sie stimmen einem Teilungsplan der UNO zu und verbleiben bis zur Umsetzung der Teilung als Ordnungsmacht im Land.
Am 14. Mai 1948 verliest David Ben Gurion die Unabhängigkeitserklärung des neu gegründeten Staates Israel. Der Traum des Volkes geht in Erfüllung. Der Traum des ganzen Volkes? Noch immer stellen die Palästinenser die Mehrheit der Bevölkerung von Palästina. Und die Freude über den eigenen Staat währte nur kurz. Bereits in nacht ist der junge Staat in einen Krieg mit seinen arabischen Nachbarn verwickelt. Bis zum Jänner 1949 dauern die Kämpfe. Danach sind die anfangs überlegenen Araber besiegt und Israel dehnt sein Staatsgebiet weit über die im UNO – Teilungsplan festgelegten Grenzen aus. Die arabischen Palästinenser fliehen vor den Kriegshandlungen, viele werden von den Juden vertrieben. Es sind mindestens 700.000 Menschen, die so ihre Heimat verlieren.
Die arabischen Länder sind mit der Integration dieser Flüchtlinge überfordert. Es entstehen überall Flüchtlingslager. Die auch von der UNO gestellt Forderung nach Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat lehnt Israel bis heute ab. Trotzdem sind immer noch 20 % der Bevölkerung Israels arabischer Herkunft. Aber es sind Bürger zweiter Klasse.
1956 war das Jahr der Suez – Krise. Der pro – russische ägyptische Präsident Gamal Abd El Nasser verstaatlichte den Suezkanal. Und Israel wollte eine Freigabe des Schiffsverkehrs durch den Golf von Akaba erzwingen, der von Ägypten blockiert war. Israel setzte seine Panzer Richtung Suezkanal in Marsch (Sinai – Feldzug). Engländer und Franzosen bombardierten ägyptische Flughäfen und landeten aus der Luft und vom Meer mit ihren Truppen. Port Said wurde von der Schiffsartillerie zerstört.
Die Sowjetunion drohte den Angreifern unverhohlen mit Krieg. Auch die Möglichkeit von Atomschlägen auf Paris und London wurde zwischen den Zeilen als Option angedeutet. Und da die USA offenbar keine Anstalten machte, ihre Verbündeten zu unterstützen mussten sich die sich Briten und Franzosen wieder zurück ziehen. Es ist zu vermuten, dass Washington den Weltmacht – Ambitionen der Briten und Franzosen endgültig einen Riegel vorschieben wollte. Israel jedoch konnte den Sinai in Besitz behalten und hatte nun freie Ausfahrt aus dem Golf von Akaba.
Was nun folgt, das ist auch Teil meiner persönlichen Erinnerung. Ich bin sozusagen ein Zeitzeuge.
Frieden gibt es keinen und die Araber drohen immer wieder in der bekannt martialischen Sprache mit der Auslöschung Israels. 1967 erreicht das Säbelrasseln durch Ägypten und Syrien einen Höhepunkt. Die beiden Staaten sind in einer politischen Union mit dem Ziel eines Staatenbundes. Es kommt wieder zum Krieg. Der Eindruck in der westlichen Welt ist der, dass die Araber angegriffen hätten. Heute wissen wir und es ist eigentlich unbestritten, dass die Israelis die völlig überraschten Araber angegriffen haben. Von Falschmeldungen über arabische Erfolge motiviert, ließ sich auch das kleine Jordanien in den Krieg hinein zeihen. Nach sechs Tagen waren die Araber geschlagen. Davon hat dieser Krieg seinen Namen: Sechstagekrieg. Als Folge dieses Krieges kamen der Gazastreifen und das Westjordanland unter israelische Verwaltung, die syrischen Golanhöhen sind seither von den Israelis besetzt.
1973 kommt es zum Jom Kippur – Krieg. Diesmal beginnen Ägypter und Syrer mit einem völlig überraschenden Angriff auf Israel. Nach anfänglich beträchtlichen Erfolgen kommen die Araber aber letztlich doch ins Hintertreffen. Auf Drängen der USA kommt es zu einem Waffenstillstand und die Ägypter können einen Teilerfolg verbuchen, sie erhalten die Sinai – Halbinsel zurück. Die Stellung des ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat in der arabischen Welt war dadurch so gestärkt, dass er nunmehr in Friedensverhandlungen mit Israel eintreten konnte.
Immer noch sind die Israelis der Liebling der öffentlichen Meinung in Europa. Das kleine, aber starke Land wird allgemein bewundert. Die Palästinenser stehen in der Gunst der Meinungsmacher ganz schlecht da. Nicht ganz unbeteiligt daran sind Terroranschläge und Flugzeugentführungen.
1975 mache ich Urlaub in Israel, mit Leihwagen und allem Komfort. Die „besetzten Gebiete“ sind fest in israelischer Hand. Ich kann überall hin, ans tote Meer, nach Nablus und nach Jericho. Im Westjordanland werfen mir junge Palästinenser Steine hinterher. Sie halten mich wegen des Autokennzeichens für einen Israeli. Und trotzdem erhält meine uneingeschränkte Pro – Israel – Position einen argen Dämpfer.
Ich besuche den Gaza – Streifen. Ein Araber lädt mich ein. Er offeriert mit Kamelmilch. Das ist offenbar eine Geste der Gastfreundschaft. Ich spreche mit 2 jungen Mädchen in Schuluniform. Sie freuen sich, mit einem Menschen aus Europa sprechen zu können. Immer wenn ich jetzt von Bombenangriffen auf Gaza höre, dann denke ich an die Beiden. Was wird wohl mit ihnen sein?
Auf der Rückfahrt nach Jerusalem kehre ich in einem Restaurant ein. Die Besitzerin erkennt mich als Österreicher. Sie war vor dem Krieg in Wien, lebte in der Dommayergasse. Kenn ich gut, bin ja auch aus dem 13. Bezirk. Sie ist erstaunt darüber, dass ich die besetzten Gebiete besuche. Dreckiges Volk, diese Araber, minderwertig. Und so weiter halt in dieser Tonart. Vor meinen Augen habe ich die beiden Schülerinnen aus Gaza. Sehe ihre dunkel leuchtenden Augen noch einmal. Und ich denke ...... nicht alles, was mir bisher erzählt wurde und was ich glaube über diesen Konflikt zu wissen ist auch wahr.
Fortsetzung folgt ...... 2 Reisen fehlen noch. Die letzte ist übrigens mit ein Grund, dass ich in diesem Forum bin.