Ich habe mir inzwischen auch die russische Darstellung angetan indem ich einige Stunden RT etc. gesehen und russische Zeitungen gelesen habe. Dazu einige Wiederholungen und alte Ausgaben aus der Woche vor dem Angriff.
Das ist sehr interessant um zu erfahren wie die PR Maschine jenseits der flachen Aussagen welche von unseren Medien beachtet werden wirklich funktioniert und wie man dort argumentiert.
Russland hat im Vorfeld diverse russische "Wirtschaftsexperten" Interviewt welche ganz zufällig alle das gleiche ausgesagt haben.
Der Westen hätte in der Ukraine nichts investiert, Konzerne, Banken und Firmen wollten die Ukraine verarmen lassen. Natürlich gab es weniger Willen in der Ukraine zu investieren, weil durch die Eroberung der Krim und die spätere Enteignung und Verstaatlichung durch Russland viele Investoren keinen sicheren Markt in der Ukraine gesehen haben.
Außerdem wird die hohe Kriminalitätsrate in der Ukraine in den Fokus gerückt was natürlich auch teilweise korrekt ist, aber in der Darstellung eine Mitverantwortung der Regierung projiziert und diese als korrupt darstellt. Also in etwa so als würde man unserem Kanzler die direkte Schuld an den Vergewaltigungen, Morden und Drogendealern in Wien geben und ihn mit derartigen Dingen sogar mutmaßlich in Verbindung bringen.
Im Internet wurden gezielt Netzwerke aktiviert um die russische Seite inhaltlich zu unterstützen. Besonders auffällig sind dabei in Österreich und Deutschland diverse Impfgegner und Querdenker auf Facebook, international wurde auch 4Chan quasi vereinnahmt. Hier gibt es aber kein klassisches Agentennetzwerk, sondern lediglich Schlüsselpersonen die idealistisch überzeugte Follower animieren. Ironischerweise hat man hier auch viele "Rechte" Kräfte in Europa eingespannt.
Aber natürlich fährt man auch zweigleisig, denn Aktivisten die im Westen dafür sorgen das abgerüstet wird und Atomkraftwerke abgeschaltet werden sind mehr wert als 1000 Panzer. Nur spannt man diese "Klima und Umweltretter" nicht offen ein, baute sie aber über die Finanzierung der Friedensbewegung auf, welche später zu den Umweltschutzparteien führte die ideologische Vorreiter von "Greta und Co." sind welche quasi als ungelenkte Waffe bzw. als Selbstläufer agieren ohne überhaupt zu wissen bzw. zu begreifen das der Schaden den sie anrichten den Westen schwächt und Russland stärkt.
Man sieht, die russische PR arbeitet wesentlich geschickter als nur über die lächerlichen Aussagen von "Entnazifizierung der Ukraine".
Es ist aber klar das unsere Medien diese komplexe PR nicht unbedingt offen legen können, weil es viele Zuseher massiv überfordern würde.
Zu den Motiven für den Angriff erscheint mir bei genauerer Betrachtung auch einiges nur vorgespielt. Das es keine Befreiung ist, aber auch keine klassische Vernichtung des Gegners dürfte inzwischen klar sein. Dazu wurde bislang viel zu wenig von der Infrastruktur zerstört. Man kann das ganz gut mit dem Irak etc. vergleichen, der quasi in die Steinzeit zurückversetzt wurde und wo auch nach den Kampfhandlungen in der Besatzung jede Technologie inklusive Staudämme etc. zerstört wurden.
Und da ist mir das U-Boot Programm von Russland eingefallen. Schon vor 20 Jahren war eine neue Generation von U-Booten angedacht.
Als die USA und Russland seinerzeit abrüsteten und dazu genaue Verträge machten waren vor allem die Typhoon U-Boote ein Problem.
Die Verträge beschränkten damals die Zahl von Nuklearsprengköpfen, welche die UDSSR und später Russland einsatzbereit halten durften. 4900 dieser Sprengköpfe wurden Russland zugestanden. Mit sechs Typhoon U-Booten waren aber allein 1200 Sprengköpfe gebunden.
Dazu war der Betrieb dieser gigantischen U-Boote extrem kostenintensiv und riss die ganze russische U-Boot Flotte in den finanziellen Untergang. Ich glaube jeder kann sich an die Bilder um 2000 herum erinnern als bekannt wurde das über 100 Atom U-Boote munter vor sich hin rosten, zerfallen oder völlig stümperhaft entsorgt wurden.
Als Russland wieder erstarkte war daher klar das man eine neue U-Boot Flotte braucht. Und dabei setzte man auf Projekte die direkt von der Industrie der Ukraine abhängig waren.
Als dann in der Ukraine ein Umschwung stattfand und sich die Ukraine eher der NATO zuwendete war dies fast das Ende des russischen U-Boot Programm, zumindest wurde es um 7 Jahre zurückgeworfen. Denn laut Plan hätte Russland die neue U-Boot Flotte schon in diesem Jahr teilweise in Betrieb nehmen sollen.
Das ist natürlich nur eine Theorie und sicher nicht der einzige Grund, es spricht aber dafür die Ukraine inklusive der Häfen, Werften und Stahlfertigung (russische U-Boote werden aus Spezialstahl vom Stahllieferant Asowstal gebaut der bis zum Umschwung nur in der Ukraine hergestellt wurde!) möglichst intakt zu erobern.
Ich gebe auch gerne zu das sich viele in der NATO seinerzeit freuten als die Ukraine umschwenkte, hauptsächlich weil das russische U-Boot Programm damit so zurückgeworfen wurde das es fast aufgegeben werden musste, als dann aber Deutschland gegen einen Nato-Beitritt der Ukraine war haben viele schon gewusst wie es Enden wird. Denn die U-Boote der nächsten Generation sind für Russlands Erstschlagskapazität nicht verzichtbar und können das globale militärische Machtgefüge völlig umkrempeln.
Die USA haben übrigens nach dem Umschwung in der Ukraine gezögert selbst neue U-Boote zu bauen, haben aber inzwischen eingelenkt und den Bau bestätigt und die Finanzierung gesichert. Die Auslieferung ist für 2027 vorgesehen. Das zweite U-Boot wird 2024 gebaut, die restlichen zehn von 2026 bis 2035.
Russland hat bislang nur Pläne für eine "Husky-Klasse" welche auch ein U-Boot der fünften Generation sein soll und musste inzwischen teilweise auf minderwertigere Projekte als Ersatz umschwenken.
Was doch eher für die U-Boot Theorie im Zusammenhang mit der Ukraine spricht.
Nur kann sich Putin schlecht hinstellen und sagen; "Hey wir wollen neue Atom U-Boote bauen um die Welt zu bedrohen und dafür sind wir leider von der Ukraine abhängig!"
Denn es gibt auch ein Rennen um die Arktis.
"Wer die Arktis kontrolliere, die Welt kontrolliert." Konteradmiral Waleri Aleksin